Digitale Rekonstruktion

Digitale Rekonstruktion – Hans Khevenhüller (1538-1606)

Die Originalfigur des Grabmals des Hans Khevenhüllers besteht aus einer etwa lebensgroßen Marmorfigur. Der Zustand des Marmors ist deutlich abgewittert mit zahlreichen Fehlstellen des Dekors und einer äußerst wesentlichen Fehlstelle: Der Kopf. Der Prozess der Rekonstruktion beginnt zunächst mit dem 3D Scan des Objektes. Die weiteren Möglichkeiten um das gewünschte Resultat zu erzielen sind unterschiedlich, je nachdem wie komplex das Original ist und wie viel Information vom ursprünglichen Zustand zur Verfügung steht. Nach der Analyse und Untersuchung des gesamten zur Verfügung stehenden Materials (historisches Bildmaterial, Aufzeichnungen und Dokumentationen, Übertragungs- oder Studienmodelle des Originals sowie Kopien des Originals oder Repliken) wird die beste Methode oder eine Kombination von verschiedenen Techniken (Mischtechnik) ausgewählt, um das Objekt zu rekonstruieren. Kleine fehlende Stellen werden mithilfe einer speziellen Software ergänzt und an den Verlauf der Oberfläche angepasst. Großvolumige Fehlstellen, stark detailierte oder beschädigte Teile eines Objekts werden auf Basis der zur Verfügung stehenden Information neu modelliert.

Leistung: Digitale Rekonstruktion, Teilrekonstruktion bildhauerisch, 3D Scan
Standort: Original Madrid
Leistungszeitraum: 2018/2019

Bildausschnitt der Scanbearbeitung

 

Bearbeitungsprozess digital

 

Erstellen eines digitalen 3D Modelles durch Analyse der Oberflächen (Anatomieberechnung), Duplizieren vorhandener Teile eines Objektes, Spiegelung und Zusammensetzung sowie Simulationsrendering mit Materialität und Beleuchtung, um dem Kunden den Charakter einer Rekonstruktion bestmöglich zu zeigen.

Original Grabstatue Marmor

3D Scan des Originals

3D Druck mit eingefügten bildhauerischen, handmodellierten Rekonstruktionen

Teilrekonstruktionen von Halskrause und Halsberge

 

Teilrekonstruktion der Ziselierung des Brustpanzers

Teilrekonstruktion der Ziselierung des  Armzeugs

Teilrekonstruktion eines Kettengliedes der Collane

Palais Wildenstein Graz

Fassadenrestaurierung: Paulustorgasse / Sauraugasse

Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten erfolgte zunächst durch die Fa. Zottmann eine umfassende Befundaufnahme der Fassade im März 2016 . Basierend auf deren Erkenntnissen ist ein Maßnahmenkonzept erstellt worden, welches die Grundlage für die anschließenden Restaurierungsmaßnahmen bildete.

Das fünfzehnachsige (Paulustorgasse) und neuachsige (Sauraugasse) Palais zeigt eine barocke, reich gegliederte Schaufassade. Das Erdgeschoß bildet mit seinen Rustikaquaderungen das Postament für die kollossale Säulenordnung, die beide Obergeschoße umfasst. Den Haupteingang bildet ein rustikaartiges geknicktes Rundbogenportal mit Maskaronschlussstein. Das Palais Wildenstein besitzt einen Baukern der mit 1602 bzw. 1607 datiert wird. Die heutige Fassadengestaltung entstammt der Bauperiode um 1702/1703 unter Aufstockung und Vereinheitlichung der Fassaden von ursprünglich zwei Bestandsgebäuden, durch Bauherrn Johann Josef Graf von Wildenstein. 1732 wurde das Palais an das Stift St. Lambrecht verkauft. 1786 erfolgte die Säkularisierung des Gebäudes und daran anschließend fanden Innenumbauten für die Nutzung als Krankenhaus statt. Nach der Übersiedelung des Krankenhauses 1922 in einen Neubau nach St. Leonhard, stand der Gebäudekomplex als Sitz der Bundespolizeidirektion in Verwendung.

Das barocke Erscheinungsbild der beiden Hauptfassaden hat sich aus der Zeit der Fassadenvereinheitlichung und Aufstockung des Gebäudes (1702/1703) nahezu vollständig erhalten, ebenso die Stuckaturen, die das heraldische Emblem der Grafen von Wildenstein aufgreifen: die Greifenklauen. Das Ziel der Restaurierung war daher die Sicherung des Altbestandes und das Wiederherstellen des Erscheinungsbildes auf den Zustand dieser Vereinheitlichung. Darüber hinaus erfolgte die Freilegung und Entfernung sämtlicher Überputzungen und schädigenden bzw. schadhaften Altergänzungen. Schließlich die Wiederherstellung der Tragfähigkeit aller absturzgefährdeten Bauteile und die rekonstruktive Ergänzung von Fehlstellen und Fugen, weiters die Herstellung eines tragfähigen Untergrundes für den Auftrag der Malschicht mit abschließender Färbelung der Fassaden in historischer Kalktechnik. Die Farbfassung auf Stein erfolgte in reiner Kalkfassung, stark lasierend in zweimaliger Bürstentechnik, nach vorgegebenen Farbkonzept durch das Bundesdenkmalamt und die örtliche Bauaufsicht. Sämtliche Eisenelemente erhielten einen Korrosionsschutzanstrich mit Bleiminium.

Leistung: Befundung, Restaurierung Stein und Stuck auf den Fassadenseiten Paulustorgasse und Sauraugasse
Standort: Paulustorgasse 8, 8010 Graz
Leistungszeitraum: März-August 2017

Loretto Kapelle (Bgld.)

Kapelle_Abschluss mit Modell

Kapelle Maria Loretto – Putz, Stein, Malerei, Vergoldung

Wesentliches Restaurierungsziel war die Konservierung der Mauerwerksubstanz, die durch Salz- und Feuchtebelastung erhebliche Schäden aufwies. Schadenskatalysatoren sind im Zuge der Restaurierungskampagne entfernt bzw. reduziert worden. Die freigelegten Putzbereiche sind mit bauphysikalisch und ästhetisch angepasstem Putz geschlossen worden, ehe eine Rekonstruktion der Ziegelimitatsflächen, Gesimse und des Sternenhimmels in Ölvergoldungstechnik auf Basis vorangegangener Befundungen erfolgte. In einer früheren Sanierungsperiode wurden sämtliche Zonen der Rauminnenschale monochrom in einem hellen Grau gefasst. Im Zuge einer Befundung konnten ältere Fassungsbestände an Wand, Gewölbe und Gesimse untersucht werden. Die daraus gezogenen Erkenntnisse bildeten die Grundlage für Rekonstruktion der historischen Raumschalenfassung.

Die Altarmensa (Leithakalk) war erheblich von Salz- und Feuchtebelastung betroffen – sie wies ein bereits fortgeschrittenes Schadensbild auf, das Gefüge des Kalksandsteins war zum Teil von Auflösung gekennzeichnet. Als primäres Restaurierungsziel wurde die Ursachenbehebung der Feuchtquelle definiert. Dazu wurde der Altar demontiert, eine Trennlage zwischen Kapellenboden und Mensa installiert, sowie Durchlüftungsmöglichkeiten am Korpus geschaffen. Nicht restaurierbare Elemente wurden durch Natursteinvierungen ersetzt. Die Mensa wurde analog des dokumentierten Bestandes wieder versetzt. Im Zuge der Demontage der Mensa kam es zu einem Sensationsfund. Unterhalb der Altarmensa lag eine barocke Madonnenfigur, die den Anschein erweckte, als sei sie in der Mensafüllung bestattet worden. (Mehr zum äußerst interessanten Fund siehe: https://bda.gv.at/de/denkmal-aktuell und https://derstandard.at)

Zahlreiche Bodenplatten (Kehlheimer Kalkstein, roter Knollenkalk) waren bedingt durch Nutzung, Bodenbewegung und Durchfeuchtung geschädigt. Die Restaurierung des Bodens umfasste Reinigung, Ausgleich von Niveauunterschieden, Restaurierung von schadhaften Platten.

Recherchen führten zum Schluss, dass ein Kommuniongitter, welches im Depot des Bauamtes der Diözese Loretto aufgefundenen wurde, in der Vergangenheit Bestandteil der Kapelle gewesen sein muss. So wurde eine Restaurierung und Remontage in Absprache mit ÖBA und BDA festgelegt und durchgeführt.

Leistung: Befundung, Stein- und Putzrestaurierung, Rekonstrukt. histor. Fassung, Vergoldung
Standort: Pfarre Loretto, Hauptplatz 22-24, 2443 Loretto
Leistungszeitraum: 2016-2017

Stadtpfarrkirche Graz

Abschlussfoto

Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut – Graz

Die Firma Zottmann wurde mit der Restaurierung der Westfassade (Hauptfassade), exklusive der Turmfassaden, der Grazer Stadtpfarrkirche zum „Heiligen Blut“ im Juni 2017 beauftragt. Das Auftragsvolumen beinhaltete die Restaurierung von Putz und Stuck, sowie Natur- und Kunststein. Die Arbeiten waren Mitte November 2017 abgeschlossen.

Den Vorgängerbau der heutigen Stadtpfarrkirche errichtete Kaiser Friedrich III. in den Jahren 1439 bis 1440. Im Jahr 1466 wurde die Kapelle den Dominikanern übergeben und befand sich danach bis 1585 in deren Besitz. Der Orden verlängerte die Kapelle nach Osten hin und vergrößerte sie zudem durch einen Anbau im Norden in der Zeit von 1478 bis 1484. Danach mussten die Dominikaner die Kirche räumen und das Gotteshaus wurde daraufhin, 1585, zur Stadtpfarrkirche erhoben. Im Jahr 1540 wurden Kirche und Kloster durch einen Brand beschädigt. 1741 bis 1742 erfolgte eine Neufassadierung der Hauptfront und der Anbau der sogenannten Johannes-Nepomuk-Kapelle nach Entwürfen von Josef Hueber. Unter Joseph Stengg wurde 1780 bis 1781 der Giebelturm errichtet, sowie die Westfassade neu gestaltet. Eine Regotisierung erfolgte 1875 bis 1882 unter August Ortwein.

Die Zielsetzung der Restaurierung der Westfassade war grundlegend eine Erhaltung des gewachsenen Zustandes der heutigen Fassadenerscheinung.

Schadensphänomene und Schadensursachen wurden, soweit möglich behoben, bzw. minimiert. Bezüglich der Schadensbilder waren deutlich Wasserschäden vorhanden und Fehlstellenbildungen durch Aufplatzen. Die Fassade war allgemein verschmutzt, es bestanden dickschichtige Schmutzauflagen, biogene Auflagen, weiters Rinnspuren sowie Taubenkot. Im Zuge der Freilegung wurde das eigentliche Schadensausmaß der Fassade erst deutlich. Die Fassade war durch zahlreiche Zementplomben, teils mit Hohllagen, teils absturzgefährdet, sowie massiven Überrieben gekennzeichnet. Es bestanden lagenweisen Ablösungen und Aufwölbungen, außerdem waren Brüche vorhanden. Zum Teil lösten sich Altvierungen und Altergänzungen bereits ab. Der größte Teil der Altergänzungen bestand aus bauphysikalisch unpassenden Materialien und lag defekt, gerissen, teils absturzgefährdet vor. Zudem bestanden zahlreiche Sekundärmaterialien aus Eisen, Kupfer und Holz zur Befestigung der Verblechungen, zur Befestigung von Steinvierungen wie auch zur Befestigung der einzelnen Steinbauteile untereinander.

Alle Arbeitsschritte und Ausführungen wurden in enger Absprache mit dem Bundesdenkmalamt und dem Auftraggeber durchgeführt! Die ersten Arbeitsschritte beinhalteten die Reinigung und die überwiegend mechanische Freilegung der Fassadenflächen. Beim Sichern der Bauteile wurden lose Steinteile, Bruchstücke, sowie lose Putzstücke gesichert abgenommen und an den originalen Standorten replatziert. Die Bruchflächen wurden dabei gereinigt. Schadensfaktoren, wie korrodierende Verklammerungen, wurden ebenfalls entfernt. Fehlstellen im Putz wurden mit rein mineralischen Baustellenmischungen auf Kalkbasis ergänzt. Größervolumige Fehlstellen, sowie Fehlstellen in exponierten und hervorkragenden Positionen erhielten Armierungen aus rostfreien Edelstahlmaterialien. Alle Putzergänzungen wurden profil- und kantengenau ausgeführt. Die Putzmischungen wurden in ihrer Struktur und Materialität an den historischen Bestand angeglichen. Besonderes Augenmerk lag hierbei auf einer Homogenisierung der unterschiedlichsten Putzstrukturen der frühreren Restaurier- und Reparaturphasen.

Die Steinergänzungen erfolgten ebenfalls profil- und kantengenau. Formale Ergänzungen orientierten sich an der vorgegebenen Bildhauersprache und dem Alterswert des figuralen Bestandes. Die Ergänzungsmassen wurden auf die jeweiligen Steinuntergründe in den bauphysikalischen Eigenschaften (Härte, Dichte, Wasseraufnahme) und formalen Aspekten (Farbe, Struktur) jeweils separat eingestellt. Eine Pilasterplinthe des Turmes musste komplett erneuert werden. Aufgrund der Turmkonstruktion (Holzfachwerk verputzt) wurde diese Kopie in Leichtbauweise angefertigt.

Feine Risse in intakten Profilierungen wurden durch eine porenfüllende Schlämme egalisiert. Eine porenfüllende Schlämme erfolgte ebenfalls auf allen Steinfiguren und den Vasen auf den Giebelecken. Die Figuren, alle Vasen, Wappen und das Kreuz wurden weiters mit pigmentierter Kalklasur dreimal dünn gestrichen. Die Giebelvasen wurden aufgrund ihrer Exponiertheit zusätzlich mit Silikatfarbe beschichtet. Retuschen erfolgten als ocker pigmentierte Kalkretusche an der steinernen Inschriftkartusche im Giebelfeld des Hauptportals, sowie zu besseren Integration der ausgeführten Ergänzungen, im Steinbestand am Kalksteinsockel.

Leistung: Restaurierung Putz, Stuck, Stein und Kunststein, Fassadenrestaurierung, Steinrestaurierung
Standort: Herrengasse, 8010 Graz
Leistungszeitraum: 2017

Dreifaltigkeitskirche Graz

Abschlussfoto 2018

Fassadenrestaurierung der Dreifaltigkeitskirche Graz 

In Jahr 1700 war die Kirche zur „Allerheiligsten Dreifaltigkeit“, des Ordens der Ursulinen, in nur vierjähriger Bauzeit unter der Leitung von Baumeister Bartholomäus Ebner, fertiggestellt worden. Kunsthistorisch gesehen besitzt die Wandpfeilerkirche die erste hochbarocke Schaufassade von Graz und ist im Stil des „italienischen Barock“ gehalten. Als Vorbild diente der Fassadentypus der römischen Kirche „Il Gesù“.

Die Vorarbeiten zur Restaurierung begannen im August 2017 mit einer umfassenden Fassadenuntersuchung mittels Hebebühne, wobei unter anderem Sondagen durchgeführt und Proben entnommen wurden. Parallel dazu wurden Archivrecherchen durchgeführt. Auf Grundlage der Erkenntnisse aus den umfangreichen Vorarbeiten wurde ein Restaurierungskonzept erarbeitet und daraufhin starteten im Februar 2018 die Arbeiten am Bauobjekt selbst, welche mit Juni 2018 beendet waren.

Im ersten Arbeitsschritt fand die Freilegung der Fassade statt, in deren Verlauf noch weitere Details zum Vorschein kamen, deren Auswertung in den Restaurierungsverlauf integriert wurde. Durch die Befundergebnisse der Laboruntersuchung , war es möglich bei der Farbgebung wieder zur ursprünglichen Farbgestaltung einer barocken Ausstattung zurückzukehren. Der rezente lachsfärbige Anstrich mit gelben Gliederungen stammte aus einer Sanierungsphase um 1980, zuvor bestand eine Farbgestaltung in einem gelblichen Kalkksandsteinfarbton mit steinsichtigen Säulen - eine Modeerscheinung des 19. Jahrhunderts. Die Gliederungselemente wurden nun analog zur Befundanalyse einer Bleiweiß-Ölfassung in einem Weißton, der leicht ins Gelbliche geht, ausgeführt und die Nullflächen sind, ebenfalls nach der Befundanalyse Kalkweiß mit Holzkohleanteilen, in einem silbrig-grauen Weißton gehalten. Das Erscheinungsbild soll einen monochromen Gesamteindruck erwecken, bei leichter Nuancierung der verschiedenen Texturen auf Gliederungen und Nullflächen.

Besonders hervorzuheben ist, dass der verlorengegangene Strahlenkranz der Heiligen Geist Taube rekonstruiert werden konnte, da sich unter den Putzergänzungen der letzten Restaurierungsphasen noch Holzkohlevorzeichnungen befanden. Diese Vorzeichnungen, in Kombination mit historischen Fotos, ermöglichten letztlich die Rekonstruktion dieses Fassadendetails.Auch die Beschriftung der Strahlendreiecke, die sich auf dem Giebel befinden, konnte (auf Grund eines historischen Fotos von ca. 1880) wiederhergestellt werden. So ist jetzt auf Latein wieder lesbar, wem die Kirche geweiht ist, nämlich: DEO FILIO - DEO SPIRITUI - DEO PATRI (dem Gott Sohn, dem Heiligen Geist, dem Gott Vater).

Erfreulich war zudem, dass unter dem Zementsockel ein gut erhaltener Sandsteinsockel wieder zum Vorschein kam. Dadurch gewinnt die Fassade sowohl optisch, als auch physikalisch, da der Feuchtigkeitsaustausch des Gemäuers nun wieder gewährleistet wird.

Die Grazer Innenstadt hat nun durch die Fassade des Palais Attems (südlich der Kirche gelegen) einerseits, und der Fassade der Dreifaltigkeitskirche andererseits, wieder ein original barockes Ensemble, wie es um 1700 von den damaligen Erbauerinnen und Erbauern erdacht und ausgeführt worden war.

Leistung: Restaurierung Stuck und Stein, Fassadenrestaurierung, Steinrestaurierung
Standort: Schlossbergplatz, 8010 Graz
Leistungszeitraum: 2017/2018

Rathaus Retz

Rathaus Retz

Rathaus Retz – Restaurierung Wandmalerei, Fassaden- und Steinrestaurierung, Steinmetzarbeiten

Eine 1367 errichteten Marienkapelle wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts umgebaut und das Obergeschoß zum Rathaus ausgebaut. Kurz darauf wurde der ursprünglich gotische Turm erhöht und mit einem Arkadengang versehen. In der Mitte des 18. Jahrhundert wurden sowohl Kapelle als auch Ratsaal barockisiert.

Schäden an den Putzoberflächen lagen in unterschiedlichem Ausmaß vor. So waren der Sockelbereich und Treppenaufgänge teilweise stark von Durchfeuchtung und Salzbelastung und den damit einhergehenden Schadensbildern, u.a. biogene Besiedelung und Gefügeauflockerung, betroffen. Der Stiegenaufgang der Südfassade ist, aufgrund einer schadensbegünstigenden Wasserablaufsituation, demontiert worden. Regenwasser drang seitlich der Stufen in das Mauerwerk der vorgesetzten Mauer ein und führte zu einer erheblichen Durchfeuchtung und Salzbelastung. Die Remontage erfolgte unter Berücksichtigung von wasserableitenden Maßnahmen.

Die monochrome Ockerfassung war partiell bis großflächig abgewittert sowie von Rissen und Fehlstellenbildung betroffen. Sämtliche Steinteile lagen steinsichtig vor und mit Schmutzauflagen, biogener Besiedelung sowie schwarzen Krusten belastet. Zum Schadensbild waren weiters erhebliche Rückwitterung, Kantenzurundung, Fehlstellen und Ausbrüche, gesteinsimmanente Risse und statische Risse zu zählen. Neben einer schonenden Oberflächenreinigung sind schadhafte bzw. schädigende Materialien entfernt und Fehlstellen mit farblich und strukturell angepasstem Kalkmörtel geschlossen, Risssicherungen gesetzt und Salzreduktionsmaßnahmen in Form von Opferputzen durchgeführt worden.

Am Turm und am Chor des Rathauses lagen polychrom gefasste Wappen vor. An diesen waren kleinere Binnenfehlstellen, Risse sowie ein allgemeines Nachlassen der Farbintensität durch Verwitterungseinflüsse feststellbar. Risse und Fehlstellen sind mit Kalkmörtel geschlossen, Hohllagen hinterfüllt worden. Mittels einer zurückhaltenden Retusche - Kalkfarben mit Zusatz einer Acrylharzdispersion – wurde die Lesbarkeit wiederhergestellt und Fassungsfehlstellen an den Bestand angeglichen. In einigen wenigen Bereichen waren Wappenfarben durch die Witterung weitestgehend verloren. Diese Fehlstellen wurden - nach Befund der Fassungsreste - wieder hinzugefügt und an den gealterten Zustand angeglichen.

Leistung: Restaurierung Wandmalerei, Fassadenrestaurierung, Steinrestaurierung
Standort: Altes Rathaus Retz, 2070 Retz, Hauptplatz
Leistungszeitraum: 07.-11.2012

Krypta Taxenbach

Meist unter dem Chor oder der Sakristei romanischer oder gotischer Kirchenbauten befindet sich eine Krypta. Als Aufbewahrungsort von Reliquien oder Grabstätten sind sie geheimnisvolle Orte der Geschichte. Viele wurden im Laufe der Zeit verschüttet oder zerstört, nicht so die Krypta der Dekanatskirche Taxenbach. Die Domkrypta zu Salzburg hingegen wurde 1611 verschüttet und erst 1958 wieder entdeckt.

Die Dekanatskirche Taxenbach wurde um 1400 erbaut und im Jahre 1411 geweiht. Der romanische Bestand dürfte in dieser Zeit überbaut oder abgerissen worden sein. Beim Errichten der Kirche baute man gleichzeitig die Krypta mit, die mit Christus- und Evangelistendarstellungen als Unterkirche mit Altar diente.

Von der Sakristei aus betritt man den oktogonalen Raum, der mit zwei Fenstern erhellt wird. Da die Kirche auf einem steilen Hang steht, konnten in dieser Krypta Fenster eingebaut werden, was den sonst sehr düsteren Raum hell und lebendig macht. Das Sternrippengewölbe mit insgesamt neun Schlusssteinen stammt aus spätgotischer Zeit. Die Schlusssteine zeigen eine Christusdarstellung in der Mitte des Raumes und als Hauptschlussstein, um ihn herum reihen sich die vier Evangelisten, eine Osterlammdarstellung und die segnende Hand als Zeichen für den Gottvater.

Im Rahmen einer Restaurierung der Kirche sollte auch die Krypta generalüberholt werden. Die Sanierung der Krypta war bereits sehr notwendig. Nachdem sie außerhalb der Grundmauern liegt und unter dem Friedhofniveau konnte sickerndes Regenwasser leicht über die Mauern eindringen. Das Mauerwerk wurde im Lauf der Zeit stark durchfeuchtet und durch den Lichteinfall der beiden Fenster konnten sich pflanzenartige Lebensformen bilden.

Die Feuchtigkeit griff auch Wandmalerei und Eisenarmierungen an, Abplatzungen und Risse im Mauerwerk waren die Folge. Wir mussten Gewölberippen vorläufig mit Gewindestangen und Hilti-Hit Verpresskleber notsichern. Alte und fehlerhafte Ergänzungen entfernten wir und erneuerten die fehlenden Teile. Insgesamt bauten wir 11 Vierungen ein und ergänzten weitere 11 Stellen mit Kalkmörtel. Die Schlusssteine reinigten und konservierten wir und brachten sie schließlich an den ursprünglichen Stellen wieder an.

Hl. Nepomuk St. Lorenzen

Eine rekonstruktive Arbeit war der heilige Nepomuk bei der Pfarrkirche St. Lorenzen im Mürztal. Neben den allgemeinen Maßnahmen wie der Reinigung und Ergänzung der Statue mussten hier der Kopf und beide Hände mit Attributen nachgebildet werden. Die Elemente waren einfache Ergänzungen aus Beton, die mit Armierungseisen an die Natursteinfigur angebracht wurden.

Christoph Zeller demontierte den Kopf und die beiden Handteile. Er fertigte ein Tonmodell von jedem Teil an, das als Vorlage und zum Maßnehmen diente. Christoph wählte Natursteinvierungen passend zum Originalstein des Heiligenstandbildes und bearbeitete sie mit Hammer und Meißel. Die Figur musste für die Restaurierung abgebaut und in die Werkstatt in Judendorf-Straßengel geführt werden, um die fehlerhaften Teile bestmöglich wiederherstellen zu können. Die gesamte Arbeit umfasste etwa vier Arbeitswochen.